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Dieser Text wurde von den Vorjuroren für den Egon-Erwin-Kisch-Preis 2009 vorgeschlagen.
Lex Voorn sagt, sobald eine Rose geschnitten wird, beginnt sie zu sterben. Und sie gerät in Panik, in Fortpflanzungspanik. Dann legt sie los, pumpt alles, was sie hat, hinein in ihre Blüte, verschwenderisch, todesverachtend, viel zu früh, viel zu schnell. Ausgerechnet dann, wenn sie eigentlich Ruhe geben sollte, weil das Schneiden ja erst der Anfang eines langen Weges ist - hin zum Kunden. Das alles muss man wissen, auch, dass eine Blume ein launiges Ding ist, sonst kann man es gleich bleiben lassen, das Rosenzüchten.
Lex Voorn weiß es. Sein Gewächshaus auch. Es surrt, mal wird ein Sonnenfilter zugezogen, dann wieder auf, mal gibt es künstliches Licht, dann echtes, jede Rose hat ihren Lux-Bedarf, ihren Nahrungs-Bedarf, jede schwebt in einem Bett aus Steinwolle über dem Boden. Siebenmal am Tag bekommt sie über eine Sonde Wasser und Mineralien und Nährstoffe. Ein paar Sekunden nur. Es zischt leise, wenn Rosen essen, dann ist wieder Ruhe. Was unten raustropft, wird aufgefangen, analysiert, aufbereitet. Bedürfnisse werden berechnet, Dosen erhöht, alles vollautomatisch, computergesteuert. Perfekte Versorgung, perfektes Wachstum. Was hier in Kudelstaart in der Nähe von Amsterdam wächst, wird gedrillt zur Höchstleistung. Gedrillt für den Weltmarkt.
Und mittendrin Lex Voorn, den Arm voller Grünzeug, er geht vorbei an siebzigblättrigen Rosenköpfen, an Stielen, wie mit dem Lineal gezogen. Er ist ein großer Mann mit großen Händen, in die die riesigen Köpfe seiner Rosen gerade so hineinpassen. Er lässt seine Finger über die Pflanzen streichen, reißt welke Blätter ab, biegt schwache Triebe nach unten. Kann es nicht lassen. "Ich war wohl eine Rose in einem früheren Leben", sagt er, lacht nicht, warum auch. Es ist ihm Ernst.
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